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Wie wirken die automatischen Stabilisatoren in der Wirtschaftskrise? Deutschland im Vergleich mit der EU und den USA
von Mathias Dolls, Clemens Fuest, Andreas Peichl
(September 2009)
published in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, 2010, 11 (2), 132-145

Zusammenfassung:
Dieser Beitrag vergleicht die automatischen Stabilisierungswirkungen der Steuer- und Transfersysteme in der Europäischen Union und in den USA in der aktuellen Wirtschaftskrise. Dazu werden zwei Szenarien simuliert: erstens ein proportionaler Einkommensschock, in dem alle Bruttoeinkommen um 5 Prozent sinken, sowie zweitens eine Erhöhung der Arbeitslosenquote um 5 Prozentpunkte. Unsere Berechnungen ergeben, dass in der EU 38 % des proportionalen Einkommensschocks vom Staat absorbiert werden, verglichen mit 32 % in den USA. Im Fall des Beschäftigungsschocks ist der Unterschied zwischen Europa und den USA deutlich größer: 48 % in der EU und lediglich 34 % in den USA. Unter der Annahme, dass nur die Nachfrage kreditrationierter Haushalte auf Schwankungen des laufenden verfügbaren Einkommens reagiert, führt die Glättung des verfügbaren Einkommens zu einer Nachfragestabilisierung, die in der EU von 23 bis 32 % des Einkommensschocks reicht und in den USA 19 % beträgt. Unsere Ergebnisse zeigen eine große Heterogenität innerhalb der EU. Die automatischen Stabilisatoren sind in ost- und südeuropäischen Ländern bedeutend geringer als in Mittel- und Nordeuropa. Deutschland liegt bei der Einkommensstabilisierung in beiden Szenarien im oberen Bereich, bei der Nachfragestabilisierung dagegen im mittleren Bereich der europäischen Länder, da Kreditbeschränkungen in wohlhabenden Ländern wie Deutschland keine so große Rolle spielen.

Text: Standpunkt Nr. 19